Von der Lattemacciato-Mum zur Working- Mum

Bild:Steffi Sinzenich @gaumenfreundin
Bild:Steffi Sinzenich @gaumenfreundin

Der Tag würde kommen, dass war gewiss – jetzt ist er fast da, der letzte Tag meiner Elternzeit – mein erster Arbeitstag. Die letzten Monate schwebte das Damoklesschwert über uns.

Dank Flintenuschie, ehemals Mutti der Nation, zumindest meine persönliche Mutti der Nation, alias Ursula van der Leyen, selbst hundertfache Mutter und daher Profi im Buisiness, konnte ich ein ganzes Jahr zuhause bleiben und dem Mutterdasein fröhnen. Das, was sie auf den Weg gebracht hat, fand ich schon super, als es mich noch gar nicht betroffen hat, das Elterngeld. Man wird nicht reich davon, es ist weniger, als mein Gehalt, aber es ermöglichte mir ein Jahr hochkonzentriert Mama zu sein, langsam in meine Rolle hineinzuwachsen, mein Kind zu begleiten auf dem Weg in die Welt. Eins sei schon mal vorweggenommen, ich habe nie einen Job lieber gemacht, als den des vergangene Jahres. 

Vollzeitmama, Vollzeitmutti, Lattemacciatomum, Hausmütterchen oder Dauerurlauberin, alles Bezeichnungen, die ich tatsächlich zu hören bekommen habe,  für das, was ich die letzten elfeinhalb Monate gemacht habe. In vierzehn Tagen werde ich wieder zurück in meinen erlernten Job gehen, nicht in meinen Lieblingsjob, denn das ist definitiv der, den ich gerade ausübe. Ich fühle mich irgendwie gekündigt, will weiter die Lattemacciatomum sein, Zeit haben, Zeit genießen, alles mit Ruhe angehen, noch einen Sommer nur draußen sein, von früh bis spät, weil kein Termin ruft, kein Zeitdruck herrscht. Theoretisch könnte ich das, allerdings ohne Einkünfte, denn Elterngeld gibt es maximal ein Jahr, man kann es sich auch auf zwei Jahre aufteilen. Hätte in unserem Fall nicht gepasst. Ich gehe also wieder arbeiten und nur, dass das klar ist, ich klage nicht darüber. Ich bin Lehrerin. Ja, denkt ihr jetzt, was will die denn, die hat doch vormittags recht und nachmittags frei- ein Teilzeitjob, verbeamtet und fettes Einkommen. Darum geht es gar nicht.

 Ich freue mich in gewisser Weise auch wieder auf meine Arbeit, allerdings habe ich auch gleichzeitig Angst. Angst davor, die doppelte Belastung nicht zu schaffen. Zwei Jobs zu machen, die beide so viel Menschlichkeit abverlangen, so viel Aufmerksamkeit und Interaktion. Seit Wochen liege ich nachts wach, ja super, genau jetzt, wo das Baby mal nachts besser schläft, und mache mir Gedanken. Klappt das mit der Tagesmutter? Wie wird der Kleine es dort finden? Wird er mich vermissen, sich von mir entfernen, weil ich nicht mehr 24/7 am Start bin? Was erlebt er tagsüber? Wie wird meine Arbeit werden? Was wird mir abverlangt? Halte ich dieser Maschinerie stand?

www.likelife.de
www.likelife.de

Mein kleines Baby, die letzten 351 Tage hat sich alles nur um dich gedreht, alles, und das war toll. Wie das so ist mit Abschieden, er fällt mir schwer, der Abschied von meiner Elternzeit, sehr schwer. Ich bin nicht für Abschiede gemacht, sie tun mir weh, ich habe Angst. Ich will das sie bleibt, am liebsten für immer oder zumindest bis du deinen Führerschein hast mein Kleiner.

Ich bin deine Mama, dein Anker, deine Insel, dein sicherer Platz - für immer.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0