Über die Einsamkeit der Schwangeren und Mütter

Immer wieder werden wir vor Entwicklungsaufgaben gestellt, das ist eine never ending Story.

 

Neulich fragte mich eine Freundin, eine gute Beobachterin und besonnene Person, ob man vereinsamt als Schwangere und später als Mutter. Ich stockte, hielt inne und dachte erst mal nach. Ich musste zunächst das Wort Vereinsamen auseinanderklamüsern, hinsichtlich seiner Bedeutung bezogen auf das Muttersein. Nichts veränderte mein Leben so sehr, wie die Nachricht schwanger zu sein. Die Schwangerschaft dauert zum Glück so lange, dass man sich in gewisser Weise langsam von seinem alten Leben verabschieden kann, dachte ich.

Das stimmt so nicht, denn es gibt viele Dinge, die man anders macht oder gar nicht mehr macht. Durchtanzte Nächte, ein Tisch mit weitaus mehr geleerten Sektflaschen, als Personen anwesend waren, spontane Wochenendaktionen. Klar, kann man all das machen, mit Einschränkungen, eine Zeit lang, Tanzen gehen zum Beispiel, wenn einen die Schwangerschaftsmüdigkeit nicht überkommt, alkoholfreien Sekt trinken, während sich die anderen betrinken.

Leben heißt Veränderung und es wäre langweilig, wenn alles so bleiben würde, wie es mal war. In jeder Lebensphase denkt man doch, jetzt ist die beste Zeit und genauso ging es mir in der Schwangerschaft. Mein Interesse lag darin, meine Schwangerschaft möglichst stress und sorgenfrei zu erleben. Soweit verständlich, oder? Im Vergleich zu dem Tempo, was ich zuvor vorgelegt habe, war das ein hohes Ziel.

Für mich eine Art Rollenidentifikation, aber nicht Rollenkonflikt.

Ich als Mutter.

Vereinsamen, ja, definitiv, denn das Mutter werden, Mutter sein, ist keine Partynacht, kein gemeinsamer Abend mit Freunden und passiert auch nicht immer zeitgleich mit deinem Umfeld. Das Leben dreht sich weiter, aber du steigst aus, steigst um, fährst einen andere Route, hast ein anderes Ziel, von Jetzt auf Gleich. Man sieht die Schwangerschaft vielleicht noch gar nicht, bei mir war das spät der Fall. Um weiter beim Bildlichen zu bleiben – du sitzt in einem anderen Boot. Du organisierst dich neu, musst das sogar, und das hinsichtlich so unendlich vieler Aspekte. Partys finden ohne dich statt, für Kino bist du zu müde. Und zack bist du raus. Als sei es nicht schon schmerzlich genug, dass das alte Leben irgendwie vorbei ist, hast du dein neues Leben noch gar nicht organisiert, gefüllt und strukturiert.

Mir tat das weh. Schlicht und ergreifend. Ich war oft sehr traurig. Allein.

Und dennoch mache ich niemandem einen Vorwurf, denn ich bin diejenige, die vor ihre neue Entwicklungsaufgabe gestellt wurde. Es ist meine Geschichte, mein Leben.

Und ehe du dich versiehst, merkst du, dass es fast jedem so geht, der in deinem Boot sitzt und schon hast du Mitfahrer. Neue Freunde sozusagen. Freunde, die du nicht getroffen hast, weil man das gleich Hobbie hat, die gleiche Musik hört oder Freunde, die man eh schon immer hatte. Sondern Freunde, die in der gleichen Situation stecken. Die Mutter werden, Eltern werden.

Die Situation der Verunsicherung, der Einsamkeit, sie brachte letztendlich neue Freundschaften, tolle Freundschaften. Ein Zugewinn also, diese Zeit der Verwirrung und Einsamkeit. Also unter dem Strich nicht plus minus Null, sondern ein Plus, ein klares Plus an Freundschaften.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Flow Sister (Freitag, 10 Februar 2017 20:50)

    Danke für diese wahre Wörter❤️