Seit du da bist...

Alles neu...

 

Seit dreieinhalb Monaten bin ich Mutter. Irgendwie habe ich das Gefühl verloren in 24 Stunden zu denken, in Tagen und in Wochen. Meine Zeit läuft grad anders. Meine Zeit, diese Worte klingen irgendwie nach. Meine Zeit ist nicht mehr nur meine Zeit, es ist unsere Zeit, denn Hanno ist allgegenwärtig, ob er schläft, ob er wach ist, wenn ich schlafe oder koche. Er ist da, immer dabei, sowieso, da er gestillt wird. Nie bin ich länger als eineinhalbstundend allein unterwegs. Und selbst dann ist er dabei, in meinen Gedanken. Das kam sowieso bis jetzt erst zweimal vor. 

 

 

 

 

 

Meine Gedanken überschlagen sich oft. Am Anfang war ich zeitweilig wie gelähmt, das Denken daran, nie mehr allein zu sein, denn so fühlt es sich an, wenn man von Null auf Hundert in seiner neue Rolle als Mutter agiert, machte Angst. Ich habe tatsächlich Angst gespürt. Ein hin- und hergerissen sein von Freude und Trauer. Freude über mein Kind und zeitgleich Trauer darüber, dass mein Altes Leben vorbei war. Ein für alle mal. Darf ich so etwas überhaupt denken, muss ich nicht einfach nur dankbar sein. Ein Dilemma. 

 

 

Eine Aufgabe, auf die man sich nur bedingt vorbereiten kann. All meine Vorstellungen vom Muttersein, waren trotz intensiver Auseinandersetzung von der Realität in manchen Bereichen weit entfernt. Ich starrte Hanno stundenlang an und konnte und kann es tatsächlich teilweise immer noch nicht glauben, dass er mein Kind ist. Oft höre ich mich ihm sagen, "Du bist mein Kind und ich bin deine Mama! Ich bins, deine Mama!"

 

Und dann vergehen Tage und Wochen und plötzlich ist man angekommen in seinem neuen Leben. Zumindest meistens. Die Wolke in der man sich befand löst sich auf und plötzlich macht alles Sinn. 

 

 

Dafür muss man übrigens nicht Mutter oder Vater werden. Das Gefühl, seinen Herausforderungen nicht gewachsen zu sein, kennt man doch aus seinem Leben. Macher mehr, mancher weniger, aber erleben tut es jeder mal. Der erste Schultag, der Auszug, die erste Trennung. Das Leben verändert sich, bringt Neues - neue Jobs, neue Freunde, neue Partner, neue Herausforderungen. Und wenn man zurückblickt, hatte jede Zeit auch Gutes, Lehrreiches, Freudiges, Spaßiges. Leben heißt Veränderung - kein Tag ist gleich. Manche Tage machen einfach Angst. Jahre später, mit Abstand und Klarsicht, kann man das oft nicht verstehen. War doch alles gar nicht so schlimm, oder zumindest hat man es gemeistert bekommen, meistens. Abgesehen von Dingen, die nicht wirklich zu meistern sind, die man hinnehmen muss.

 

 

Oft kommt mir der zuvor so oft zitierte Satz, "Du wirst die Welt mit Kinderaugen neu entdecken!", in den Sinn. Das ist so, weil sich diese kleinen Menschen so rasend schnell entwicklen und wirklich jeden Tag viele neue Dinge kennenlernen und erobern. Sie sind erschrocken und neugierig zugleich. Plötzlich ist alles zu viel und nur Mamas oder Papas Arm hilft. Aber vor allem ist mir dieser Satz aber so wichtig, weil ich dadurch so viel verstehe. Ich versteh, dass es menschlich ist, Angst vor neuem zu haben. Freude und Leid nebeneinander zu spüren. Kindern gesteht man das einfach zu. Als Erwachsener aber, soll man alles meistern. Oft denke ich an mein "inneres Kind" und beruhige mich. Neues darf Angst machen, man darf auch verzweifeln, egal vor welche Herausforderung man gestellt wird, sich Zeit lassen und langsam handeln, Fehler machen. Das durfte ich als Kind doch auch und wurde in solchen Momenten schützend in den Arm genommen. Und beim Blick zurück sehen ich, dass der Weg das Ziel ist.

 

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Kommentare: 8
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